Australian Camping Night

Australian Camping Night

PDF Week 20/2016: Canon 7D, 18mm (on 18-200mm lens), 43 sec, f3.5, ISO 400.

Die Sterne leuchten heller in Australien. Vielleicht haben wir weniger Lichtverschmutzung. Das naechtliche Firmament zeigt sich vielleicht auch oefter unbedeckt als anderswo. Beeindruckend ist der Blick hinauf in den naechtlichen Himmel allemal. In der suedlichen Hemisphaere zeigen sich Sterne und Himmelskoerper von einer anderen Seite. Statt des Polarsterns ist das 'Kreuz des Suedens' (Southern Cross) Orientierungspunkt fuer das Himmelszelt.

Hier moechte ich keine vertiefte himmelskundliche Kenntnisse vortaeuschen. Vielmehr geht es mir darum, mit dem praesentierten Foto meine Faszination darueber kund zu tun, dass man unsere Galaxie, die Milchstrasse, sogar in der Naehe von Grossstaedten klar wahrnehmen kann. Andererseits moechte ich in diesem Fotographie-Forum meine Erkenntnisse teilen, wie man solch eine eindrueckliche Szenerie bildlich festhalten kann. Vielleicht motiviert das ja jemanden, den Griff zur Spiegelreflexkamera zu machen oder die Begrenzung durch gaengige Universal-Kameramodelle zu erkennen.

Bei unserem Campier-Ausflug letzte Woche erlebten wir traumhafte Naechte. Mit einer Telefonkamera blieb ich ziemlich erfolglos, den Nachthimmel festzuhalten. Auch meine treue Unterwasser-Kompaktkamera verpatzte ihren Auftrag in diesem Fall voellig. Es fand sich keine Einstellung, die auch nur annaehernd den Blick von unserem Camp haette wiedergeben koennen. Das mag an meiner Ungeduld oder mangelnden Kamerakenntnis liegen. Vielleicht ist daran auch der Umstand schuld, dass diese Kameras fuer solche Szenen nicht gebaut sind. Das wenige Licht der Sterne faellt schlicht einem unsensiblen Sensor oder Bearbeitungs-Algorythmus zum Opfer.

Wir haben sie wohl alle gesehen, die tollen Sternen-Nachtbilder mit Matterhorn, Alpsee oder Gebaeude im Vordergrund. Solche Szenen sind glaubhaft, aber mir persoenlich aus der alten Welt nicht gelaeufig. Selbst wenn Computerprogramme mehrere Fotos miteinander verrechnen, finde ich die perfekten Postkarten-Sujets einen Blick wert. Mehr noch: warum nicht zum unkreativen Nachahmungstaeter mutieren? Ich wuerde gerne lernen, wie man solche klare Sternbilder kreieren kann.

Ganz so einfach ist es nicht, auch nicht mit meiner halb-professionellen Spiegelreflexkamera. Mein Learning-by-doing-Ansatz war wohl nicht direkt zielfuehrend. Die nachtraegliche Internet-Lektuere, wie Hochglanzresultate zu erzielen sind, bot mehr Werbebotschaften als Weisheiten. Der gelesene Artikel bot mir aber Trost. Ich hatte wenig falsch gemacht und wohl fast das Optimum aus meinem Material herausgeholt.

Mit meinen ISO Einstellungen hatte ich bei einigen Probeaufnahmen experimentiert. Da ich den Sternenhimmel von Baumkronen eingerahmt haben wollte, machte ISO 400 als Kompromiss- und ehrliche Versuchsloesung in meinem Fall viel Sinn. Die weit offene Blende sollte mehr Licht auf meinen unsensiblen Kamera-Sensor lassen. Die Schaerfe waehlte ich manuell. Ich wollte die vom Lagerfeuer in dunkles Grau-Rot getauchten Baume koernig aber relativ scharf. Selbstverstaendlich benutzte ich ein stabiles Stativ. Fast gaenzliche Windstille erleichterte die Langzeitbelichtung. Sterne stehen bekanntlich nicht still am Himmel. Deshalb sind lange Belichtungsdauern kritisch. Die maximal waehlbare Belichtungszeit von 30 Sekunden schien mir auch bei hohen ISO Werten trotzdem zu kurz. Deshalb steuerte ich die Belichtungsdauer im Bulb-Modus mit meinem Funkausloeser, zaehlte leise vor mich hin und vermied jegliche Erschuetterung. Endlich hatte ich mehr als ein schwarzes Display als Resultat.

Dies soll kein Rezept fuer stellare Nachtfotographie sein. Wenn man keine oder nur die einfachsten Software-Hilfsmittel benutzen moechte, geben solche Angaben aber mehr Anhaltspunkte, als der gelesene Ratschlag, eine professionelle Kamera und spezielle Linsen zu benutzen. Mich draengen immer noch die Fragen: Gibt es mechanische Hilfen und Tricks, sowie einfache Software, um den Effekt der Sternen- bzw. Erdbewegungen zu minimieren? Hilft es, den Kamerawinkel um eine (relativ) stabile Achse zu waehlen und den fotographierten Ausschnitt durch entsprechende System-Positionierung festzulegen?

Bestimmt moechte ich nicht zu einem exkusiven Nachthimmel-Fotographen werden. Aber ich empfinde den Sternenhimmel in Australien als Spektakel. Es ist unglaublich bewegend, bei Einbruch der Dunkelheit immer mehr leuchtende Punkte am Himmel ausmachen zu koennen, die Milchstrasse und andere entfernte Galaxien zu erkennen, gelegentlich ein Flugzeug, einen Satelliten, Asteroiden, Kometen oder einen anderen wuenschenswerten und weniger wuenschenswerten Himmelskoerper zu entdecken. Der Blick hinauf in eine grosse vereinende Hemisphaere zu richten, laesst mich ein aehnliches Gemeinschaftsgefuehl erleben, wie das Betrachten des nahen, knisternden Lagerfeuers. Es ist berauschend, entrueckt vom Alltag und gleichzeitig tief in uns allen verwurzelt.

Wenn nicht als Fototechniker, dann als emotionaler Mensch stelle ich mir die Frage, wie ich solche Momente festhalten und vermitteln kann. Kann es wirklich sein, dass solche Szenen der alles dokumentierenden Selfie- und Schnappschuss-Gesellschaft verborgen bleiben? Der Sternenhimmel gehoert zum Campieren, wie der Schauspieler zum Theater.

In diesem Fall, holt mich meine Fotographie zurueck in eine fantastische Realitaet, wo noch vieles zu entdecken ist. Es holt mich auch zurueck in eine Natur, die ich liebe. Meiner Meinung nach lohnt es sich, Australien abseits der Touristenstroeme zu erkunden, fernab vom Massen- und Postkartentourismus. Es gibt den Sternenhimmel auch ohne Ohrdroehnen oder sonstigem Rausch nach einem Partybesuch.

Es lohnt sich, Zeuge des naechtlichen Sternenspektakels zu werden, zu staunen und seine Gedanken fortschweben zu lassen. Wer weiss, vielleicht findet jemand das Sternbild des Krokodils, der giftigen Schlange, der Spinne, des weissen Hais oder sogar das Selfie-Sternbild oder den helle Schein eines Gluehwuermchens!

Viel Spass und viel Erfolg beim Fotographieren!

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